Den Auftakt der Kundgebung machte Hans-Jürgen Urban, langjähriges Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der IG Metall. In seiner kämpferischen Rede machte er deutlich, dass die Forderung nach 5 Prozent mehr Entgelt angesichts steigender Anforderungen, wachsender Unsicherheiten und hoher Produktivitätsleistungen der Beschäftigten mehr als gerechtfertigt ist. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber bezeichnete er als unzureichend und nicht ernsthaft verhandlungsfähig.
Hans-Georg Kaufmann, Leiter der Vertrauenskörperleitung bei Rolls-Royce, unterstrich die Bedeutung der Tarifauseinandersetzung für die Beschäftigten vor Ort: „In dieser Tarifrunde geht es um die Wurst.“ Es gehe um die Sicherung von Einkommen, die Verteidigung tariflicher Standards und um die Wertschätzung der täglichen Leistung der Kolleginnen und Kollegen.
Aus der Verhandlungskommission berichtete Michael Erhardt über den Verlauf der bisherigen Gespräche mit den Arbeitgebern. Er machte deutlich, dass erst die Entschlossenheit der Belegschaften in den Betrieben die notwendige Bewegung in die Verhandlungen bringen werde.
Solidarische Unterstützung erhielten die Warnstreikenden von Antje Runge, Bürgermeisterin der Stadt Oberursel. Sie hob die große Bedeutung des Industriestandortes für die Stadt hervor und betonte, wie wichtig sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze für die wirtschaftliche Entwicklung der Region sind.
Die Grüße des Deutschen Gewerkschaftsbundes überbrachte Ronja Wacker vom DGB Frankfurt. Sie sicherte den Beschäftigten die volle Solidarität der Gewerkschaftsbewegung zu.
Bettina Albert, Vorsitzende des Betriebsrats, kritisierte das Angebot der Arbeitgeber scharf und machte deutlich, dass die Beschäftigten zu Recht mehr Respekt für ihre Leistung erwarten.
Rolls-Royce Oberursel: Traditionsstandort mit hoher Bedeutung für die Region
Der Standort Oberursel gehört seit Jahrzehnten zu den bedeutenden industriellen Arbeitgebern im Rhein-Main-Gebiet. Rolls-Royce entwickelt und produziert hier insbesondere Komponenten und Systeme für Luftfahrtantriebe. Die hochqualifizierten Beschäftigten leisten einen wichtigen Beitrag zur europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie und stehen für technologische Kompetenz sowie industrielle Wertschöpfung in der Region.
Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Umbrüche, geopolitischer Unsicherheiten und tiefgreifender Transformationen zeigt sich, dass eine starke Industrie nur mit motivierten und fair bezahlten Beschäftigten erfolgreich sein kann. Die Kolleginnen und Kollegen bei Rolls-Royce leisten täglich ihren Beitrag dazu, dass der Standort wettbewerbsfähig bleibt. Deshalb erwarten sie zu Recht, dass sich ihre Leistung auch in der Entgeltentwicklung widerspiegelt.
Tarifbewegung im Bezirk Mitte gewinnt weiter an Fahrt
Der Warnstreik in Oberursel ist Teil einer breiten Tarifbewegung im IG Metall Bezirk Mitte. In Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland beteiligen sich derzeit Tausende Beschäftigte an Aktionen, Kundgebungen und Warnstreiks. Nach Ablauf der Friedenspflicht erhöhen die Belegschaften in den Betrieben den Druck auf die Arbeitgeberverbände deutlich.
Die zentrale Botschaft der Beschäftigten ist klar: Wer Fachkräfte halten, Transformation gestalten und industrielle Wertschöpfung in Deutschland sichern will, muss die Beschäftigten angemessen an ihrer Leistung beteiligen. Die Forderung nach 5 Prozent mehr Entgelt steht daher für Kaufkraft, Respekt und Zukunftssicherheit gleichermaßen.
Die Beteiligung in Oberursel zeigt eindrucksvoll: Die Beschäftigten sind bereit, für ihre Forderungen einzustehen. Mit über 180 Warnstreikenden sendeten die Kolleginnen und Kollegen von Rolls-Royce ein starkes Signal an die Arbeitgeberseite und an die laufenden Tarifverhandlungen.